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Freitag, 11. März 2016

Die größte und unheimlichste Macht: der Teufel - Et portae inferi non praevalebunt eam.

(Georg Eder, +Erzbischof von Salzburg )

Materialismus, unaufhaltsame Säkularisierung, das Liebäugeln mit einer gemeinsamen Weltreligion...
„Die schlimme Gefahr, die hierzulande dem christlichen Glauben droht, ist, wenn ich recht sehe, weder die zunehmende Gottlosigkeit oder der schon lange wirkende Materialismus noch die Abstumpfung des Herzens. - Die eigentliche Gefahr liegt in der Verharmlosung des Evangeliums durch die, denen es anvertraut ist.“ (Hubert Luthe 1927-2014, Bischof von Essen 1991-2002).

Die größte und unheimlichste Macht: der Teufel.
Er greift die Kirche von außen und innen an und hat heute noch den Vorteil, dass er weithin geleugnet und daher nicht mehr ernst genommen wird. Eine Chiffre für das Böse, mehr nicht.
Aber gegen alle diese Gefahren, die der Kirche von außen drohen, hat sie das Wort des Herrn:
„Et portae inferi non praevalebunt eam“ (Mt 16, 28).

Die größten Gefahren drohen heute der Kirche von innen her.
Das Herz der Kirche ist krank.
Es droht ein lebensgefährlicher Infarkt.
Auch das Herz der Kirche hat zwei Kammern: Eucharistie und Priestertum.

Unsicherheit, Zweifel, Missbrauch, innerer Abfall, Ehrfurchtslosigkeit... haben dieses Herz der Kirche schwer geschädigt.
Manchmal wissen es die Betroffenen, Priester und Laien, gar nicht, was sie anstellen, wenn sie bei der Liturgie und mit der Eucharistie machen, was sie wollen. Zu entschuldigen sind sie aber nicht; ihre Sünde ist der Ungehorsam.
Andere wissen wohl, was sie tun und wollen diese Einheit der Kirche via facti herstellen. Was verloren geht, ist Eucharistie und Priestertum. Der innere Auflösungsprozess ist viel weiter fortgeschritten, als die meisten Hirten glauben.

Es geht längst nicht mehr um die Zahl der Priester.
Viel gefährlicher ist die sogenannte „Identitätskrise“ der Priester.
Der Grund, auf dem man einst stand, ist nicht mehr tragfähig. Gefragt ist heute der Mensch im Priester, nicht mehr der Christus in ihm. Vielfach sind die Priester selber davon überzeugt, dass Laien vieles besser können. Aufgrund der längst überholten Seelsorgseinheiten und der Seelsorgemethode, die daran gebunden ist, hat sich ein „Laienpriestertum“ herangebildet.

Ist der sacerdotale Priester wirklich notwendig und worin besteht der unverzichtbare Dienst? Sind es nur mehr die Konsekrationsworte und die Absolutionsvollmacht? Dann hat der Priester nur mehr eine Funktion. Warum weiht die Kirche nicht bewährte Männer und Frauen? Macht die Kirche nicht selbst die Not? Es sind nicht nur einzelne Priester, die darauf warten, bis „dieses System“ zusammenbricht und Rom nachgeben muss. Sie fördern natürlich keine Berufungen mehr.

Die Not der Priester schreit um Hilfe zu den Bischöfen.
Der Bischof muss zum Seelsorger seiner Priester werden. Er muss sie besuchen, nicht nur visitieren. Er muss von ihnen mehr wissen als den Namen. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Bischof, der privat einen Nachmittag oder Abend bei einem Pfarrer verbringt, mehr bewirkt, als wenn er an irgendeiner Sitzung oder einem Fest teilnimmt. Sicher, die Bischöfe verausgaben sich, um die Kirche überall präsent zu machen. Der Erfolg ist sehr gering. Die Botschaft, die der Bischof bei einem solchen Anlass verkündet, wird zumeist von den Medien nicht weitertransportiert. Die „Stimme der Kirche“ wird kaum wahrgenommen.
(Übrigens: Wer verpflichtet denn die Bischöfe zu den vielen Verpflichtungen, die sie eingehen? Das Kirchenrecht nicht. Aber auch die Pfarrer und Gemeinden dürfen den Bischof nicht für jedes Festlein verbrauchen.)
Die erste und größte Pflicht des Bischofs muss die Sorge für die Priester sein!

Die Eucharistie selber ist in Gefahr, verloren zu gehen.
Warum zelebrieren viele Priester nicht mehr, wenn sie nicht verpflichtet sind? Vor einem Menschenaltar war die tägliche Feier der heiligen Messe das fraglos Unverzichtbare für den Priester. Auch die geistlichen Professoren in den Knabenseminaren feierten ihre heilige Messe- oft zu sehr früher Stunde. Wenn es wahr ist, dass „die Kirche von der Eucharistie lebt“ (Ecclesia de Eucharistia), dann ist der Priester der aller Erste, der davon lebt! Die Feier der heiligen Messe ist für den Priester das tägliche „inaestimabile donum“ unseres Herrn und Hohenpriesters.
All die Priester in den Gefängnissen und Lagern des Nationalsozialismus und des Kommunismus hatten nur die eine Sorge: ein bisschen Wein, ein wenig Brot. Der verstorbene vietnamesische Kardinal Francois-Xavier Nguyen Van Thuan war dreizehn Jahre im Gefängnis, davon neun Jahre in strenger Isolation. Im Jahr 2000 hielt er Exerzitien für den Papst und seine Mitarbeiter. Dabei erzählte er: „Mit drei Tropfen Wein und einem Tropfen Wasser in der hohlen Hand feierte ich Tag für Tag die Messe. Das war mein Altar, das war meine Kathedrale! Das waren die schönsten Messfeiern meines Lebens!“

Die Ehrfurcht oder Ehrfurchtslosigkeit dem summum bonum gegenüber ist der Gradmesser des Glaubens oder Unglaubens. Die Lieblosigkeit, mit der man in den wenigen Kirchen das allerheiligste Altarsakrament behandelt, ist einfach wehtuend. Wie wetterten die Liturgisten gegen den Empfang des alten Brotes aus dem Tabernakel! Heute legt man ohne Bedenken das neue Brot auf das alte, immer wieder. Einige Male im Jahr wird dann wohl „ausgeräumt“, wie mir ein Mesner sagte.

Die Interzelebration ist in meinen Augen die Lebensgefahr für Eucharistie und Priestertum in der Kirche. Durch sie wird nicht nur die Eucharistie preisgegeben und die Einheit der Kirche einer Zerreißprobe ausgesetzt. Der Priester höhlt selber sein Priestertum aus und bringt seine Gemeinde um den Glauben. Es stellt sich auch der Zweifel ein, ob ein solcher Priester noch am Eucharistieglauben der Kirche festhält. Die Kirche glaubt, dass die heilige Eucharistie Opfer, Mahl und Sakrament ist.

Sollte ein Priester den Glauben daran verloren haben, so müsste er es sofort seinem Bischof sagen. Er müsste selbst sein Amt zur Verfügung stellen und dürfte bereits am nächsten Tag nicht mehr zelebrieren. Macht er ohne Glauben weiter, so stellt er wirklich sein ewiges Heil aufs Spiel.
Da gibt es nur mehr ein Heilmittel: kein Sabbatjahr, sondern ein Jahr der Wüste. Weit fortgehen, „in ein fernes Land“ (vgl. Lk 15,13), um umkehren zu können. Daheim kann man nicht umkehren. Und schenkt der barmherzige Vater die Gnade der Um- und Heimkehr, müsste der Bischof ein Fest veranstalten wie bei Lk 15,24.

Das römische Dokument „Redemptionis sacramentum“ zeigt das ganze Elend in der Liturgie erst auf. Die Mahnungen verhallen. Es fehlt auch ein wirklicher Ansatz zur Überwindung der lebensbedrohlichen Situation in der Liturgie, und die ernsten monitiones aus Rom werden nichts bewirken, es sei denn- die Bischöfe treten gemeinsam zum Martyrium an. Ja, es wird ein Martyrium werden. Aber wofür lohnt es sich mehr, das Leben einzusetzen, als für die Eucharistie, das summum bonum? Die Hirten müssten alles andere gehen lassen und hier wirklich mit beiden Händen zupacken! Ohne Furcht in die Pfarren gehen und der „ganzen Gemeinde“ (mit Priestern und Seelsorgern) die ganze Wahrheit über die Eucharistie verkünden und sie auf die geltende Liturgie verpflichten. Groß ist die Sünde und schwer die Schuld, die Liturgen und Gläubige auf sich laden, wenn sie ihre eigene Liturgie betreiben. Sie zerreißen das Band der Einheit, sie zerteilen den Leib Christi.

Ich weiß, meine Diagnose ist ernst und auch hart. Aber wenn es um das Leben geht, darf man nicht mit Umschreibungen die Situation entschärfen.
Gib es kein Gegenmittel, kein Gegengift? Doch, gibt es.
Es ist die eucharistische Anbetung.
In allen Kirchen, wo das allerheiligste Sakrament aufbewahrt wird, und gerade in solchen, wo der Priester fehlt, müssten sich „Selbsthilfegruppen“ bilden, die nur eines tun: anbeten. Wie lange? „Bis Gott aus unseren Opfern Segen wirkt, und in den Tiefen, die kein Aug entschleiert, die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen“ (Reinhold Schneider). Denn ER bleibt bei uns alle Tage.


 


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