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Donnerstag, 3. März 2016

Zu den christlichen Bußwerkzeugen (4/8) – Cilicium, Bußgürtel aus Draht

In der 3. Auflage des Kirchenlexikons heißt es 1848:

In neuerer Zeit bezeichnet man mit dem Worte Cilicium vielfach aus dickem Draht geflochtene, etwa handbreite Bußgürtel, die mit nach innen gekehrten Spitzen auf bloßem Leibe getragen werden. Diese werden seltener um die Lenden (Stachelgürtel), häufiger um die Arme (Stachelarmbänder) oder um das Bein gelegt. Nach Benedict XIV. sind sie erst seit Beginn des 16. Jahrhunderts in Gebrauch, doch scheint der eiserne stachlige Gürtel, den der hl. Jacobus von Marchia (gest. 1479) trug, schon dieser Art gewesen zu sein. Der in Rede stehende Drahtgürtel hat in neuerer Zeit die alten Cilicien vielfach verdrängt und wird in einzelnen Gegenden auch häufig von Laien angewandt, besonders von den in der Welt lebenden Mitgliedern der dritten Orden des hl. Franciscus und des hl. Dominicus.

Von ärztlicher Seite wurde gegen das Tragen der Cilicien, sowohl der alten wie der neuern, nicht selten Einspruch erhoben, …]. 

Freilich, was einzelne Heilige aus besonderem Antriebe des Heiligen Geistes gethan, darf nicht Regel für die Menge werden, und es ist nicht zu bezweifeln, dass der indiscrete Gebrauch solcher Bußinstrumente nachtheilig auf die Gesundheit wirkt; aber eben deßhalb unterliegt die Anwendung derselben in Klöstern der steten Controle der Obern, und Laien sollen sich derselben nur mit Erlaubniß und nach Anweisung eines klugen und erfahrenen Beichtvaters bedienen.

(Vgl.: H. Dannheimer, B. Probst OSB; Bussgürtel oder ärztliche Bandage? Zum christlichen Bussbrauchtum in Mittelalter und Neuzeit. – In Germania Monastica 126/2015, 147ff)


Kommentare:

  1. Die allermeisten Beichtväter heutzutage bekommen da wohl Schnappatmung, wenn man dieses Thema anspricht.. ;-)
    Wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt...

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    1. Wird so sein. Wobei der Priester im Beichtstuhl nicht derjenige sein muss (soll), der da mitredet. Neben einem Beichtvater kann es ohne weiteres auch einen (anderen) geistlichen Führer (heute sagt man meistens: Begleiter) geben. Denn geistliche Begleitung oder Leitung gehört nicht grundsätzlich in die Hände eines Beichtvaters, nicht einmal unbedingt in die Hände eines Priesters.

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    2. Das stimmt natürlich. Kommt aber sicherlich auch ein bisschen auf die Intention an. Ich selbst hatte dieses Thema auch schon besprochen und das auch mit einem Priester, bei dem ich nie gebeichtet habe. Wenn man aber körperliche Bußübungen ganz gezielt gegen bestimmte..."Konkupiszenz-Schwerpunkte" einzusetzen gedenkt, wäre, meiner Meinung nach, sicherlich ein Beichtvater, der einen in dieser Hinsicht gut kennt, nicht verkehrt.
      Aber so oder so, denke ich, ist es nicht ganz einfach, wen zu finden, der das heutzutage gut heißt und unterstützt. Wir hatten das Thema ja in der letzten Zeit hier und da mal in verschiedenen Blogs und es wird doch eher mit Entsetzen, als mit Interesse aufgenommen... Deshalb freut mich deine Serie dazu umso mehr! :-)

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