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Mittwoch, 12. November 2014

Johannes von Avila, der unbekannte Kirchenlehrer (3/12)

Johannes von Avila lebte nun in einem kleinen Zimmer im Hause seines Vaters um Buße zu tun. Er ging oft zur Beichte und verbrachte viele Stunden vor dem Allerheiligsten. 1520 endlich zog er auf Anraten eines befreundeten Franziskaners zum Studium nach Alcala. Die dort kurz zuvor gegründete Universität vereinte alle geistlichen Strömungen der damaligen Zeit unter ihrem Dach, sie bemühte sich, den Verfall des Christentums (die Dekadenz der religiösen Orden sowie den Tugend- und Wissensverlust beim Klerus) aufzuhalten.

Johannes von Avila machte 1523 einen Abschluss in Philosophie und nahm anschließend ein Theologiestudium auf. 1525 wurde er zum Priester geweiht und machte bald durch seine Beredsamkeit und seine Wohltätigkeit auf sich aufmerksam. Am Tag seiner Primiz verzichtete er auf das Festessen, das sein Heimatdorf ihm zu Ehren ausrichtete, und teilte sein Mahl mit zwölf Armen.

Er träumte davon, als Missionar nach Westindien zu segeln, blieb jedoch in Spanien, nachdem ihn ein Priester aus Sevilla auf ein weites Apostolatsfeld in Andalusien verwiesen hatte, wo zahlreiche - mehr oder minder gefestigte – neu bekehrte Mauren wohnten. Sein Bischof beauftragte ihn also, das Evangelium in Andalusien zu verkünden. Er begann seine Tätigkeit in Sevilla und predigte in Krankenhäusern, erteilte in Schulen Religionsunterricht, warb auf öffentlichen Plätzen für die christliche Lehre und betätigte sich zunehmend als Wanderprediger, wobei er in Privathäusern auch Erwachsenengruppen im inneren Gebet unterwies. Man nannte ihn den Apostel Andalusiens. Mit bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit stand in regem Briefverkehr. So pflegte er den brieflichen Austausch mit Teresa von Ávila, Johannes von Gott, Francisco de Borja oder auch mit Ignatius von Loyola, den er seit 1554 kannte. Von seiner Korrespondenz sind gut 250 Briefe erhalten.


Kommentare:

  1. Danke für die Reihe, gibt es überhaupt eine Biographie des Heiligen in deutscher Sprache?

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    1. Leider nein, Hochwürden; zumindest konnte ich noch nichts finden. Einer der wenigen Theologen die sich hierzulande mit diesem wunderbaren Heiligen befasst haben ist Prof. Dr. Johannes Stöhr. - LG

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    2. Könnte sein, dass ich mal in der Tagespost einen Beitrag von Prof Stöhr gelesen habe. Herzlichen Gruß.

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