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Samstag, 6. September 2014

Jenseitsbestimmung des Glaubens und Dogmen der Kirche werden dem Zeitgeist geopfert!

Peter Stephan über Peter Scholl-Latour (Ausschnitte):

Mit zunehmendem Alter verband Scholl-Latour seine Analysen mit bitterer Kritik: an der manipulativen Heuchelei der Militärs, der naiven Ideologie der politischen Eliten und der Ignoranten Selbstgerechtigkeit wissenschaftlicher Experten. Doch ging es ihm dabei keinesfalls darum, sich zu profilieren. Vielmehr sprach aus seinen Kassandrarufen die Leidenschaft eines echten Abendländers, der den Niedergang seiner Kultur erlebte [...]. Die heutige Spaßgesellschaft so äußerte er, könne die heraufziehenden Konflikte mit anderen, weitaus vitaleren Kulturen nicht bestehen.

„Machen wir uns keine Illusionen: Europa wendet sich vom Christentum ab, wird agnostisch, aggressiv aufklärerisch, atheistisch. Die Frömmigkeit wird weiter nachlassen und die Verhöhnung der Religion weiter zunehmen." Als ein signifikantes Beispiel dieser Verhöhnung nannte er die Entweihung der von Stalin zerstörten und unter Putin wieder aufgebauten Erlöserkathedrale in Moskau durch die Punkband Pussy Riot. Die von westlichen Medien und Politikern als mutiges Aufbegehren gefeierte Aktion war für ihn eine Schändung des Andenkens all jener Gläubigen und Geistlichen, die durch den Kommunismus ihr Leben verloren hatten.

Einen wesentlichen Grund für die Entchristianisierung Europas sah der gläubige Katholik Scholl-Latour in der Verweltlichung der Kirchen. Viele evangelische und katholische Kleriker, so klagte er, seien dazu übergegangen, „die Jenseitsbestimmung ihres Glaubens und die Dogmen ihrer Kirchen dem Zeitgeist zu opfern". Sie neigten dazu, „das Christentum auf eine humanitäre Philosophie oder auf eine Soziallehre zu reduzieren" anstatt bei ihren ursprünglichen Lehren zu bleiben.

Schwer wog für Scholl-Latour, der seine Gebete bis zum Schluss auf Latein sprach, auch die Zerstörung der Liturgie. Mit der nachkonziliaren Gottesdienstfeier wusste er wenig anzufangen. Hingegen sah er in der Schönheit und der Feierlichkeit der Alten Messe ein wesentliches Instrument, den Menschen aus der Niedrigkeit des Alltags zu erheben und die Begegnung mit Gott zu einem Fest werden zu lassen.



Peter Scholl-Latour
Foto Bernhard Ludewig

Dr. Peter Stephan
Foto rab
Badische Zeitung

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