Seiten dieses Blogs

Dienstag, 20. Oktober 2015

„Option für verbale Nüchternheit“

Menschlich gesehen ist es verständlich, daß verliebte, heiratswillige Paare sich ein wenig verschnupft fühlen, wenn sie in dogmatischen Lehrwerken bezüglich der Zwecke der Ehe außer der Fortpflanzung und der gegenseitigen Hilfe bezüglich des dritten Ehezwecks Formulierungen wie „Heilmittel gegen die Begierlichkeit“ (remedium concupiscenciae) oder „sittlich geordnete Befriedigung des Geschlechtstriebs“ finden.

Bedenkt man jedoch die theologischen Hintergründe genauer, vermag man zu der Einsicht zu gelangen, wie weise das kirchliche Lehramt mit seiner Option für verbale Nüchternheit beraten ist. Zum einen wird jede neoheidnisch-renaissancehafte Glorifizierung des Eros vermieden.

Zum zweiten wird mit dem Ausdruck remedium concupiscenciae nicht, wie oft behauptet, die Sexualität an sich, auch nicht die im ehelichen Akt empfundene Geschlechtslust, als schlecht oder böse bezeichnet. Vielmehr ist es die Begierlichkeit (Konkupiszenz), die als heilungsbedürftig benannt wird.

(Dr. Markus Lorenz, KU 10, 2015)


Kommentare:

  1. Ein Heilmittel gegen ALLE Begehrlichkeiten ist die Ehe aber auch nicht.... Sag ich jetzt mal so, als Unverheiratete...Von daher dürfte das schon in eine gewissen Richtung zielen, oder? Mich persönlich stört das allerdings nicht im geringsten. Allerdings, wieso eigentlich "gegenseitige Hilfe" ? Ist nicht die Frau für den Mann....? ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für Kommentar und Nachfrage.

      Sicher nicht gegen alle Begierlichkeiten, das wird auch nicht behauptet. Und ja, es zielt in eine Richtung. Nämlich in diese, zu wissen, dass die Begierlichkeit in einem ungezügelten Verlangen nach der Geschlechtslust besteht, am liebsten sofort. Diese Nachgiebigkeit und Trägheit haben zur Folge, dass sie sich weiter verstärken.

      Mit gegenseitige Hilfe ist gemeint, dass sich die Eheleute gegenseitig helfen in den Himmel zu kommen. Dazu gehört eben auch das miteinander leben lernen, das sich gegenseitig akzeptieren, und, sich zu lieben. Diese gegenseitige Liebe, bei der, durch das Sakrament der Ehe, Christus gegenwärtig ist, führt schließlich hin zu der Liebe, nach der wir uns sehnen und die wir erst in einem neuen Leben ganz erkennen werden.

      Löschen