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Dienstag, 14. Juli 2015

Der 14. Juli und die Entchristlichung Frankreichs

Der folgende Text ist ein Abschnitt aus einem Buch von Michael Davies.  „Für Thron und Altar, Der Aufstand in der Vandee (1793-1796)“ ist in der Edition Kirchliche Umschau erschienen.

Der geneigte Leser möge sich fragen, ob ihm nicht manches von dem was beschrieben wird, bekannt vorkommt und ob er vielleicht sogar befürchtet, manches bald kennenzulernen.

(Absätze und Hervorhebungen von mir).


Ein wesentlicher Aspekt der Schreckensherrschaft war die Entchristlichung Frankreichs. Sie wurde nicht als offizielle Politik des Konvents eingeleitet, doch versuchte der Konvent nicht, sie zu beschneiden, und billigte sie schließlich, indem er am 6. Oktober 1793 einen neuen anti-christlichen Kalender annahm, der die Jahre nicht von der Geburt Christi an zählte, sondern von der Errichtung der Republik am 22. September 1792 an. Dies bedeutet, daß man bereits das Jahr 2 schrieb, als der Revolutionskalender auferlegt wurde. Das Jahr begann am 22. September, und der erste Monat, der am 21. Oktober endete, hieß Vendemiaire. Es gab zwölf Monate zu 30 Tagen mit neugeschaffenen Namen, jeder mit drei Zehn-Tage-,,Wochen" (Dekaden), deren zehnter Tag ein Ruhetag war (decadi). Der Sonntag wurde so zum Arbeitstag.

Robespierre war stark gegen Atheismus eingestellt und davon überzeugt, das Gemeinwohl erfordere den Glauben an ein höchstes Wesen. Am 21. November 1793, als die entchristlichenden Feierlichkeiten ihren Höhepunkt erreichten, bekräftigte er: Atheismus ist aristokratisch.
Die Vorstellung eines höchsten Wesens, das über unterdrückte Unschuld wacht und triumphierendes Verbrechen bestraft, ist im wesentlichen eine Vorstellung des Volkes. Dies ist die Meinung in Europa und der Welt; es ist die Meinung des französischen Volkes. Diese Ansicht ist weder an Priester gebunden noch an Aberglauben oder Zeremonien; sie ist nur gebunden an das Verlangen nach einer unfaßbaren Macht, dem Schrecken der Übeltäter, Wohnsitz und Trost der Tugend.

Der republikanische Kalender blieb zehn Jahre lang in offiziellem Gebrauch, wurde aber vom Volk nie ernst genommen.  „Die meisten Franzosen, und fast alle Französinnen zogen die Heiligen und Feierlichkeiten des katholischen Kalenders den Festen ohne Wurzeln und dem formlosen Höchsten Wesen Robespierres vor." 

Die Entchristlichung verlief nicht in ganz Frankreich gleich, sondern hing zu einem guten Teil vom Fanatismus des Konventskommissars ab, doch die Annahme des Revolutionskalenders ermutigte die Abgeordneten dazu, miteinander bei der Ausmerzung jeglicher Spur des Katholizismus zu wetteifern. Die Entchristlichung wurde zu einem wesentlichen Merkmal der Schreckensherrschaft.

Joseph Fouche, der Konventskommissar in Nievre (Zentralfrankreich), ein ehemaliger Oratorianer, errichtete eine Herrschaft des religiösen Schreckens. Keine Form von Religion konnte öffentlich ausgeübt werden, Friedhöfe wurden religiöser Symbole beraubt und an ihre Tore wurde sein berühmter Ausspruch gehängt „Der Tod ist ein ewiger Schlaf".

Am 6. Oktober überwachte ein anderer Kommissar, Philippe Ruhl, persönlich, wie die Phiole mit dem heiligen Öl Chlodwigs zerbrochen wurde, mit dem die französischen Könige gesalbt worden sind, seit König Chlodwig und seine dreitausend Gefolgsleute am Weihnachtstag 496 getauft worden waren, womit Frankreich zur „älteste Tochter der Kirche" wurde. Papst Johannes Paul II. kam 1996 nach Frankreich, um des 1500. Jahrestages dieses historischen Ereignisses zu gedenken.

Ruhl zwang die konstitutionellen (vereidigten) Priester, ihrer Weihe abzuschwören. Nur durch diesen Schritt konnten sie ihre Loyalität gegenüber der Republik beweisen, doch eine große Zahl der konstitutionellen Geistlichen wählte eher den Tod, als ihrem Priestertum zu entsagen. Von den 484 Geistlichen, die vor dem Revolutionstribunal in Paris erschienen, gehörten 319 der Konstitutionellen Kirche an. Viele widerriefen den Eid, der sie an die Konstitutionelle Kirche band, baten um Versöhnung mit der Kirche und starben tapfer auf dem Schafott. Acht konstitutionelle Bischöfe wurden durch die Guillotine hingerichtet, fünf von ihnen schworen ihren Irrtümern ab, bevor sie starben. - Henri Daniel-Rops stellt richtig fest, daß diese Opfer nicht vergessen werden dürfen bei unserem Urteil über den konstitutionellen Klerus.

In ganz Frankreich wurden, während die Entchristlichung tobte, Kirchen verwüstet, Figuren wurden zerstört, Altarbilder zerfetzt, Glasmalereien zerschlagen, liturgische Bücher und heilige Bilder verbrannt und heilige Gewänder bei blasphemischen Parodien auf katholische Rituale benutzt. Die Standbilder der Könige an der Fassade von Notre Dame wurden entfernt. Es gibt kaum eine Kathedralfassade in Frankreich, die nicht Spuren von solchem Vandalismus aufweist. Neben Cluny wurden noch andere Abteien bis auf die Grundmauern zerstört, einschließlich Notre Dame de Montmartre, Royaumont, Longjumeau und Jumiege.

Das Wort „heilig" wurde aus den Namen von Straßen, Städten und Dörfern entfernt. Die Steinskulpturen von Heiligen wurden auf dem Höhepunkt der Schreckensherrschaft feierlich enthauptet.  Geistliche Kleidung war verboten, und die Kirchen im Land wurden im Frühjahr 1794 geschlossen; nur in den entlegensten Winkeln Frankreichs blieben sie für den Kult geöffnet.

Dennoch wurde weiterhin im Land verborgen die Messe gelesen. In Paris lasen auf dem Höhepunkt der Schreckensherrschaft heldenhafte Priester die Messe an 150 Orten. Außerdem wurden Messen an weiteren hundert Orten in den umliegenden ländlichen Gebieten gelesen.  „Entlang des Weges zum Schafott standen immer Priester, um den Menschen auf dem Henkerskarren heimlich die Absolution zu erteilen, und wenn einer dieser ,Kapläne der Guillotine' verhaftet wurde, gab es keinen Mangel an Freiwilligen für seinen Posten."  20 000 Priester wurden durch Terror dazu gebracht, ihren Weihen abzuschwören, „und 6000 besiegelten ihren Abschwur mit der Heirat." 

Michael Davies, Für Thron und Altar,
Der Aufstand in der Vandee (1793-1796),
Edition Kirchliche Umschau









Kommentare:

  1. Heute, so empfinde ich, ist ein trauriger Tag für die Freiheit. Ein Tag des Widerstandes gegen verordnetes Schweigen, gegen die Verletzung der Katholikenrechte, gegen die Unterdrückung der kulturellen, religiösen und humanen Identität der Katholiken.

    Aber heute ist auch Hl Camillo de Lellis!

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    1. Das stimmt, liebe Martina! Die meisten Menschen wissen nicht, welches Unglück von Frankreich über Europa hereingebrochen ist. Aber es gab auch große Heilige.

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