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Donnerstag, 21. Februar 2013

Fastenzeit – 40 Tage mit Lorenzo Scupoli (8)


Das vierte Mittel endlich ist, dass du dich noch stärker und nachhaltiger von deiner großen Schwäche überzeugen lässt, wenn du bisweilen in einen Fehler fällst. Darum ließ Gott deinen Fall zu, damit du, durch denselben innerlich gewarnt und noch mehr erleuchtet, dich als ein armseliges Geschöpf einzuschätzen und verachten lernst und wünschst, auch von anderen ebenso eingeschätzt zu werden. Ohne eine derartige Gesinnung gibt es kein wahres Misstrauen gegen sich selbst, weil es sich eben nur auf wahre Demut und praktische Selbsterkenntnis gründet.

Es ist daher klar, dass einem jeden, der sich mit dem göttlichen Lichte und der unerschaffenen Wahrheit vereinen will, Selbsterkenntnis vonnöten ist.

Nicht selten verleiht Gott sie den Stolzen und Vermessenen auf dem Wege einer Niederlage, indem er sie in Fehler fallen lässt, vor denen sie sich sicher fühlten, damit sie sich auf diese Weise kennen und misstrauen lernen.
Dieses empfindlichen Mittels bedient sich aber Gott nur dann, wenn die anderen, milderen, von denen im vorigen die Rede war, versagen und den von seiner Güte beabsichtigten Erfolg nicht zeitigen.
Gottes Güte lässt den Menschen nämlich mehr oder weniger tief fallen, je nachdem sein Stolz oder seine Einbildung größer oder geringer sind, so dass kein Fall eintritt, wo gar keine Selbstüberhebung vorhanden ist, wie dies bei der Allerheiligsten Jungfrau Maria zutraf.

Lorenzo Scupoli (1530-1610) war Priester im Orden der Theatiner. Im achten Jahr seines Priestertums wurde er degradiert und lebte fortan als Laienbruder in seiner Gemeinschaft.
Alle Zitate aus: Lorenzo Scupoli, Der geistliche Kampf.


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